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Jugendliche ohne Abschluss: Es werden nicht weniger

Neueste Zahlen des Deutschen Caritasverbands (DCV) zeigen, dass die Anzahl junger Menschen, die ihre Schulzeit ohne Hauptschulabschluss beenden, weiter gestiegen ist. Dies hat mit mehr Zuwanderung zu tun, aber auch mit der sozialen Schieflage im Land. Denn dort, wo viele Menschen arm sind, erreichen am wenigsten Jugendliche einen Schulabschluss.

Das Grundproblem ist bekannt: Wer keinen Schulabschluss hat, findet nur schwer eine befriedigende Arbeit, von der man gut leben kann. Wie die Ergebnisse einer vom DCV in Auftrag gegebenen Studie zeigen, ist der Anteil derjenigen, die ohne Abschluss ins Erwachsenenleben starten, von 2015 bis 2017 um 1% gestiegen. Mit 6,9% liegt die Quote in Deutschland somit auf dem gleichen Niveau wir vor 10 Jahren. Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede. Denn während der Anteil in Berlin und Sachsen-Anhalt bei über 10% liegt, beträgt die Quote in Hamburg, Hessen und Bayern weniger als 6%.

Zuwanderung trägt zur Entwicklung bei, es gibt aber auch andere Gründe

Zwar muss bei den zu Grunde liegenden Zahlen berücksichtigt werden, dass seit 2015 viele geflüchtete Jugendliche an die Schulen gekommen sind, wodurch die Vergleichbarkeit etwas eingeschränkt wird. Doch zeigt sich, dass die Zahlen z.T. auch dort gestiegen sind, wo der Anteil ausländischer Schüler*innen sehr niedrig ist, wie zum Beispiel im sachsen-anhaltinischen Landkreis Anhalt-Bitterfeld: dort verließen fast 12% der Jugendlichen die Schulen ohne Abschluss - bei einem Ausländeranteil von nur 3,7%. Umgekehrt ist das Verhältnis im hessischen Hochtaunuskreis: Dort erzielten weniger als 4% nicht den Hauptschulabschluss, der Ausländeranteil liegt hier bei fast 12%. Der von Rechtspopulisten häufig vorgetragene Vorwurf, erhöhte Zuwanderungszahlen seien für schulische Misserfolge "einheimischer" Kinder verantwortlich, läuft somit ins Leere.

Höchste Quoten in ärmsten Regionen

Vielmehr zeigen sich erschreckend erwartbare Parallelen zu bereits bekannten Phänomenen. Vergleicht man die vom DCV veröffentlichte interaktive Karte mit der Karte Kinderarmut der Hans-Böcker-Stiftung, ist augenscheinlich, dass Armut und geringe Bildungschancen in engem Zusammenhang stehen - mit allen sozialen Folgen. Beispielhaft stehen hierfür Städte wie Gelsenkirchen (12,3% ohne Abschluss), Bremerhaven (12%) und Halle (12,1%), in denen besonders viele Kinder und Jugendliche von Armut bedroht sind. Zwar weisen die Autor*innen darauf hin, dass aufgrund unterschiedlicher Regelungen und Bewertungen in den Bundesländern überrergionale Vergleiche mit Vorsicht zu genießen sind, doch sind auch innerhalb der Länder deutliche Unterschiede erkennbar. So z.B. in Niedersachsen: Im eher armen Emden verlässt jede*r zehnte Jugendliche die Schule ohne Abschluss, im Landkreis Peine ist es nur jede*r Fünfundzwanzigste.

Caritas über Entwicklung besorgt - kommunale Kooperationen notwendig

Für Eva Welskop-Deffaa, Vorständin für Sozial- und Fachpolitik beim DCV, ist die weiterhin hohe Quote junger Menschen ohne Schulabschluss besorgniserregend: „Viele von ihnen begegnen uns in den nächsten Jahren wieder – beispielsweise in der Allgemeinen Sozialberatung, in der Schwangerenberatung, oder aber in der Schuldnerberatung.“ Aus Sicht des katholischen Wohlfahrtsverbands sei klar, dass die Qualifizierung junger Menschen insbesondere in Zeiten des digitalen Wandels eine „besonders große Bedeutung“ habe. Hierbei hat Welskop-Deffaa sowohl formelle wie auch informelle Bildungsangebote im Sinn. Diese müssten alle Kinder und Jugendlichen erreichen, die es nötig haben, speziell jedoch diejenigen, bei denen sprachliche Barrieren für den fehlenden Schulerfolg verantwortlich seien. Auch verweist Welskop-Deffaa auf die unbefriedigende Regelung, dass Kinder und Jugendliche, die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, nicht unmittelbar in die Schule dürften.

Bei aller Besorgnis ist für den DCV jedoch erkennbar, dass dort, wo kommunale Strukturen gut aufeinander abgestimmt sind und der politische Wille zur Veränderung vorhanden ist, auch Erfolge eintreten. Alle Informationen zur Studie finden Sie auf den Seiten des Deutschen Caritasverbandes.

Sebastian Hempel

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